Dein Pferd ist schreckhaft? So beruhigst du es sicher

Ein schreckhaftes Pferd zu haben, ist nervenaufreibend. Aber Angst kann man nicht „wegdrücken“. Was dein Pferd wirklich braucht, ist ein klarer Weg zurück in die Entspannung – und das kannst du ihm beibringen. Ich zeige dir in diesem Blogartikel, wie du mit einem einfachen Signal über den inneren Schenkel deinem Pferd hilfst, sich selbst zu beruhigen – ohne Druck, ohne Stress, mit System.

Ein schreckhaftes Pferd kann jeden Reitausflug oder aber auch das Training auf dem Platz zur Herausforderung machen.
Ein Rascheln im Gebüsch, ein flatternder Plastiksack oder ein ungewohnter Schatten – und plötzlich ist dein Pferd angespannt, bleibt stehen oder springt zur Seite.

💡 Warum Pferde schreckhaft sind

Pferde sind Fluchttiere. Sie reagieren auf Bewegungen, Geräusche oder Veränderungen in ihrer Umgebung blitzschnell – das hat ihnen in der Natur das Überleben gesichert. Über Jahrtausende war es für sie überlebenswichtig, schnell genug die Flucht zu ergreifen. Der Fluchtreflex hat sie geschützt. Ein Pferd erschrickt nicht, um seinen Reiter zu ärgern, oder gar zu “verarschen”, wie vielfach behauptet wird.
Im Alltag oder beim Reiten kann diese angeborene Vorsicht schnell zu Stress führen, wenn du nicht weißt, wie du deinem Pferd helfen kannst.

Ein schreckhaftes Pferd

  • spannt sich an, bleibt stehen oder rennt los,
  • reagiert übermäßig auf kleinste Reize,
  • kann schwer an neuen oder ungewohnten Orten entspannen.
  • manchen Pferden merkst du die Anspannung gar nicht an. Sie sind dan im sog. Freeze, ziehen sich komplett nach innen zurück und wirken total ruhig

Der Schlüssel liegt darin, deinem Pferd beizubringen, selbst in schwierigen Momenten Ruhe zu finden – anstatt unter Druck zu geraten.


🚫 Der größte Fehler: Das Pferd einfach weiterschicken

Viele Reiter versuchen, ihr Pferd mit Druck „vorbeizuschicken“, wenn es sich erschreckt oder etwas ansieht.
Das mag kurzfristig funktionieren, doch langfristig lernt das Pferd nur eines: Angst wird mit Druck verbunden.

Dabei sind Pferde von Natur aus neugierig.
Wenn man ihnen die Zeit gibt, sich etwas in Ruhe anzuschauen, nähern sie sich beängstigenden Dingen meist von selbst.

Lass dein Pferd also stehen und schauen.
Erst wenn es von sich aus entspannter wird, kannst du es wieder freundlich zum Weitergehen einladen. Es gibt allerdings auch Pferde, die sich immer mehr aufregen, je länger du sie schauen lässt. In diesem Fall, lasse das Pferd schauen, fange dann relativ schnell mit der unten beschriebenen Übung an. So vermeidest du, dass das Pferd sich in die Panik hineinsteigert.


⚠️ Warum Druck die Angst verstärkt

Wenn dein Pferd Angst hat, befindet es sich bereits im Stressmodus – der Sympathikus ist aktiv, Adrenalin und Cortisol schießen nach oben.
Machst du dann noch Druck mit Bein, Zügel oder Gerte, steigerst du das Stresslevel zusätzlich.

Das führt dazu, dass dein Pferd:

  • nicht mehr denken kann,
  • nicht lernt, sich zu regulieren,
  • und langfristig immer ängstlicher reagiert.

Selbst wenn du es an der „gruseligen Stelle“ vorbeibringst, wird die Situation beim nächsten Mal schlimmer.
Denn das Pferd hat nicht gelernt, wie es selbst in die Entspannung zurückfindet.


schreckhaftes Pferd

Die Lösung: Entspannung über den inneren Schenkel

Das effektivste Werkzeug gegen Schreckhaftigkeit ist ein konditioniertes Entspannungs-Signal – in diesem Fall der innere Schenkel.
Du bringst deinem Pferd bei, sich bei diesem Signal zu biegen, im Genick nachzugeben und den Hals fallen zu lassen.

So verknüpft dein Pferd die Hilfe mit einem Gefühl von Ruhe und Sicherheit.

So baust du das Training auf:

  1. Beginne im Stand:
    Lege deine Hand oder Gerte an die Stelle, wo dein innerer Schenkel liegen würde.
    Reagiert dein Pferd auf leichten Druck mit einer Biegung im Brustkorb und gesenktem Kopf? Perfekt – genau das willst du! Für den Fall, dass es noch nicht wie gewünscht reagiert, bewege nun mit deiner Hand den Brustkorb des Pferdes ganz sanft hin und her. So löst sich die stressbedingte Verspannung auf.
  2. Frage den inneren Schenkel in Bewegung ab:
    Lass dein Pferd im Kreis gehen und überprüfe, ob es das Signal auch in Bewegung versteht.
  3. Wende das Gelernte nun in einer Stresssituation an:
    Wenn dein Pferd stehen bleibt und schaut, lass es zunächst schauen.
    Dann lenke sanft seine Aufmerksamkeit auf dich, frage die Biegung über den inneren Schenkel ab – und lobe, sobald dein Pferd weich wird und sich entspannt.

Mit etwas Übung lernt dein Pferd:
„Wenn ich mich fürchte, kann ich mich über das bekannte Signal des inneren Schenkels wieder beruhigen.“

Das ist echtes, partnerschaftliches Vertrauen – und du hast ein Werkzeug, das in jeder Situation funktioniert.


Ruhe ist trainierbar

Junge Pferde oder sehr außenorientierte Charaktere brauchen oft mehr Wiederholungen.
Doch je öfter du diese Strategie ruhig und konsequent anwendest, desto besser kann dein Pferd sich regulieren.

Es weiß dann:

  • Ich darf schauen.
  • Ich werde nicht bestraft.
  • Und ich kann mich jederzeit entspannen.

So entsteht ein Pferd, das mutiger, gelassener und sicherer wird – weil es gelernt hat, dass es sich auf dich verlassen kann.

In diesem kurzen Video zeigen Lilli und ich, wie wir das umsetzen:



Fazit: Vertrauen statt Druck

Ein schreckhaftes Pferd braucht keinen Druck, sondern Verständnis, Zeit und klare Entspannungssignale.
Wenn du es schaffst, die Entspannung über den inneren Schenkel zu etablieren, hast du ein Werkzeug, mit dem du dein Pferd jederzeit aus der Angst zurück in die Ruhe führen kannst – ob am Boden oder im Sattel.


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