Warum ich die Piaffe aufgegeben habe – 5 Tipps wie du dein Pferd gesund, stolz und glücklich machst

Lektionen wie die Piaffe sind kein Selbstzweck. Lies, wie ich mit meiner Stute Batosta echte Partnerschaft, Stolz und gesunde Bewegung gefunden habe. Erfahre, wie du durch pferdegerechtes Training Freude, Gesundheit und Harmonie förderst.

Lektionen, z.B. die Piaffe, sind für das Pferd – nicht um zu beeindrucken!

Immer wieder sehe ich Reiterinnen und Reiter, die verbissen Lektionen erarbeiten – nur um sie am Ende „vorzuführen“. Die Übung steht im Vordergrund, nicht das Pferd. Doch was nützt eine gezeigte Piaffe, wenn sie dem Tier mehr Schaden als Nutzen bringt? Genau das passiert nämlich, wenn nicht auf eine korrekte, physiologische Bewegung und Körperhaltung des Pferdes, sowie ein gutes emotionales Gleichgewicht geachtet wird. Lies in diesem Beitrag, warum ich beschlossen habe, das Abhaken von erreichten Lektionen hinter mir zu lassen und stattdessen den Fokus auf die Gesundheit, Effizienz und das Wohlbefinden meiner Pferde zu legen.

Lektionen wie die Piaffe zeigen vs. Lektionen leben

In vielen Reitstunden herrscht das Credo: Die Lektion muss geritten werden – egal wie. Man sieht es vor allem bei den Seitengängen und der Piaffe. Hauptsache, die Bewegung wird gezeigt, die Pflichtaufgabe erfüllt.

  • Qualität bleibt auf der Strecke. Weder die korrekte Muskelaktivität noch die physiologische Bewegung stehen im Mittelpunkt.
  • Pferde als Staffage. Statt Partner im Lernprozess werden sie zu reinen Statisten degradiert.
  • Stress statt Fortschritt. Wenn das Pferd nur „zeigen“ soll, verliert die Reiterin schnell den Blick dafür, ob es im Körper wirklich Sinn macht.

Dabei sollte jede Übung immer im Dienst der gesunden, harmonischen Bewegung stehen. Du solltest deshalb immer auf Stresssymptome bei deinem Pferd achten und die physiologische Bewegung und Funktion des Pferdekörpers in den Vordergrund stellen.

Meine Erfahrung mit Batosta und der Piaffe

Als ich meine wunderschöne Lipizzaner-Stute Batosta vor 15 Jahren gekauft habe, war mein großes Ziel ursprünglich , mit ihr alle Touren, alle Gänge zu reiten – höchste Lektionen inklusive. Zwar nicht auf Turnieren, einfach nur für ich zu Hause.

Ungefähr 9 Jahre später – ich habe sie schonend und ganz entspannt an die Hilfengebung und das Reiten gewöhnt und einige Schwierigkeiten behoben, die durch Fehler meinerseits entstanden sind. Ich fange an mehr in Richtung Versammlung zu arbeiten.

Doch je intensiver wir an Rückwärtsrichten und Piaffetritten arbeiten, desto klarer wird: wir sind auf dem falschen Weg!

  1. Stresssymptome bei Batosta. Schon beim Verkürzen der Tritte auf dem Weg zur Piaffe zeigt sie Unbehagen.
  2. Kein echter Nutzen. Das sture Bestehen auf der Ausführung hilft ihr nicht, ihren Körper besser zu verstehen oder zu nutzen.
  3. Gefahr der Überforderung. Statt Selbstvertrauen baut sie Anspannung auf.

Ich muss mir eingestehen, dass ich die Lektion nicht auf korrekte Art und Weise erarbeiten kann, solange ich sie für mich – nicht für sie – reiten will.

Umdenken: Lektionselemente behutsam vermitteln

Also suche ich nach einem Weg, Batosta die Bausteine der Piaffe spielerisch und im eigenen Tempo näher zubringen:

  • Zerlegung der Lektion. Statt mich zu sehr auf das Endziel, die Piaffe zu konzentrieren, arbeiten wir an Übergängen, einzelnen rückwärts Tritten, so dass sich nur ein diagonales Beinpaar bewegt und der Umkehr in die entsprechende Vorwärtsbewegung.
  • Aufbau von Selbstvertrauen. Jede kleine korrekte Bewegung wird mit Lob und Pausen belohnt.
  • Körpergefühl stärken. Ich gebe ihr immer mehr Verantwortung für den eigenen Körper, die Haltung, die Bewegung und lasse sie ihre Form selber finden, anstatt sie in eine bestimmte Form zu pressen.
  • Individuelles Tempo. Ich halte den Gedanken, das innere Bild von einer schönen Piaffe und warte auf Batostas Bereitschaft und eigenständige Aktion.
Rückwärts als Vorbereitung für die Piaffe

Das Ergebnis: Das Rückwärtsrichten klappt inzwischen ausgezeichnet – flüssig, taktsicher, in guter Balance und ohne Anzeichen von Stress.

Der neue Weg: Stolz statt Show

Bis heute zeigen wir keine fertige Piaffe. Und doch ist Batosta elfmal mehr wert als eine unphysiologische Piaffe:

  • Ein selbstbewusstes Pferd. Bei diagonalen Versammlungsübungen trägt sie sich stolz und kommt aus eigener Kraft unter den Reiter.
  • Freude am Lernen. Sie wartet förmlich auf jede neue Lektion – aus innerer Motivation, nicht aus Pflichtgefühl.
  • Wohlbefinden im Körper. Eine gut arbeitende Muskulatur, tragfähiger Rücken und eine aktive Hinterhand.

Sie so zu sehen, erfüllt mich mit soviel Freude und Dankbarkeit!

Das alles ist für mich zehnmal mehr wert als die optische Täuschung einer fertigen Piaffe auf der Stelle, die in Wahrheit instabil ist und nichts mit dem eigentlichen Sinn und Zweck einer korrekten Piaffe zu tun hat, wie sie aber leider allzu oft zu sehen ist.

Fazit

Ich habe aufgegeben, meine Lektionen auf dem Papier und in Schaubildern zu optimieren. Stattdessen habe ich begonnen, mein Training am lebendigen, atmenden Pferdekörper auszurichten. Mein Ziel ist nicht mehr das Abhaken von Lektionen – mein Ziel ist das gesunde, freudige Pferd, das mit jeder Bewegung wächst. Dazu ist es allerdings notwendig, sich zu erst mit jeder einzelnen Lektion zu beschäftigen. Wofür ist diese Lektion da? Was passiert bei korrekter Ausführung im Pferdekörper? Was sind die Voraussetzungen dafür, dass mein Pferd diese Lektion physiologisch ausführen kann? Diese Fragen muss ich erst beantworten können, bevor ich meinem Pferd eine Lektion korrekt beibringen kann.

Denn wahre Dressur bedeutet für mich: Mit dem Pferd wachsen, nicht auf Kosten des Pferdes etwas darzustellen.

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht oder Fragen zu meinem Weg? Ich freue mich auf deine Kommentare.

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